Die geplante Kita auf dem Aldi-Markt in Hattersheim steht weiter in der Diskussion. Auch die Frankfurter Rundschau hat das Thema inzwischen aufgegriffen. Für Die Linke Hattersheim ist klar: Vor der Inbetriebnahme der Kita muss geklärt werden, welcher Luftbelastung Kinder und Personal an diesem Standort tatsächlich ausgesetzt sein werden.
Antrag zur Immissionsmessung an der Kita auf dem Aldi-Markt
Die Fraktion Die Linke Hattersheim hat am 1. Juni 2026 einen Antrag zur Immissionsmessung an der geplanten Kindertagesstätte auf dem Aldi-Markt gestellt.
Beantragt wurde, dass der Magistrat eine Immissionsmessung am Standort der neuen Kita beauftragt. Diese Messung soll während eines Funktionstests der Notstromdieselaggregate des Rechenzentrums FRA 4 stattfinden. Wichtig ist dabei: Der Test soll unter Volllast erfolgen.
Die Messung soll durch ein unabhängiges und akkreditiertes Institut vorgenommen werden. Außerdem soll sie vor Fertigstellung beziehungsweise vor Inbetriebnahme der Kita stattfinden. Gemessen werden soll im Freibereich und in unmittelbarer Nähe der neuen Kindertagesstätte.
Warum Die Linke Hattersheim die Messung fordert
Die Kita entsteht in unmittelbarer Nähe zum Rechenzentrum an der Voltastraße. Gegenüber der geplanten Einrichtung befinden sich Abluftschornsteine. Hinzu kommen weitere Belastungsquellen in der Umgebung, darunter Verkehrsflächen, Parkplätze, Bahnlinie, Straße und weitere Rechenzentren.
Besonders relevant sind aus Sicht der Linken die Notstromdieselaggregate des Rechenzentrums FRA 4. Laut Antrag geht es dabei um rund 40 Dieselmotoren mit einer Gesamtleistung von etwa 70 Megawatt.
Zum Vergleich: Mit 70 Megawatt könnten rechnerisch rund 150.000 Haushalte versorgt werden. Hattersheim hat deutlich weniger Haushalte. Es geht also um eine erhebliche technische Anlage in unmittelbarer Nähe zu einem Ort, an dem Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren betreut werden sollen.
Redebeitrag in der Stadtverordnetenversammlung am 18. Juni
Am 18. Juni 2026 wurde der Antrag in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hattersheim am Main behandelt. Der Redebeitrag wurde unter Tagesordnungspunkt 11 zur Drucksache 004/Linke/XIII gehalten.
Vorgetragen wurde der Redebeitrag von Hans-Jürgen Rojahn für die Fraktion Die Linke Hattersheim.
In seiner Rede machte er deutlich, worum es im Kern geht: Die Linke will wissen, welche Schadstoffe in der Atemluft der Kinder und des Personals ankommen, in welcher Menge sie auftreten und wie sie sich zusammensetzen. Dabei geht es insbesondere auch um Fein- und Ultrafeinstaub.
Redebeitrag von Hans-Jürgen Rojahn
In unserem Antrag fordern wir Immissionsmessungen auf der im Bau befindlichen Kindertagesstätte auf dem Aldi-Markt.
Warum?
Wer sich die Lage des im Bau befindlichen Projekts anschaut, wird möglicherweise zu ähnlichen Forderungen kommen: Eine Kindertagesstätte für Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren entsteht im zweiten und dritten Stock. Davor befinden sich große Dachflächen, die zu Spiel- und Freiflächen gestaltet werden sollen.
Gleich gegenüber der Spielfläche stehen zwei große Schornsteine eines riesigen Rechenzentrums. Weitere Schornsteine und Rechenzentren befinden sich in der Nähe. Das Gelände ist von Zaun und Natostacheldraht umgeben. Nach Norden liegen Straße und Bahnlinie, nach Osten der große Parkplatz des Einkaufszentrums.
Was treibt uns um?
Es ist die Sorge um die Luft, um Fein- und Ultrafeinstaub und um das, was Kinder in ihrem Kita-Alltag an diesem Standort einatmen müssen.
Welche Gesundheitsgefährdung geht von den Notstromdieselaggregaten des Rechenzentrums FRA 4 aus, wenn diese ihre monatlichen Funktionstests durchführen und Dieselabgase aus den Schornsteinen geblasen werden?
Und wie viel mehr wäre es, wenn diese Dieselmotoren bei einem Stromausfall länger als nur eine Teststunde laufen müssten?
Wir wollen wissen, welche Schadstoffe in der Atemluft der Kinder und des Personals sind, in welcher Menge sie auftreten und wie sie zusammengesetzt sind. Dabei geht es insbesondere um Fein- und Ultrafeinstaub.
Ultrafeine Partikel gehören zu den kleinsten Bestandteilen in der Luft. Sie können tief in die Lunge eindringen und stehen im Zusammenhang mit Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsystems. Für Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren darf hier nicht leichtfertig Entwarnung gegeben werden.
Ultrafeine Partikel sind beispielsweise in Dieselmotoremissionen enthalten. In unmittelbarer Nähe von Straßen und Autobahnen ist die Konzentration solcher Partikel deutlich erhöht. Auch in der Nähe von Flughäfen treten Belastungen auf. In diesem Fall kommen zusätzlich die Dieselmotoren der Notstromersatzanlagen hinzu.
An diesem Standort kommt also vieles zusammen.
Ist es überzogen, wissen zu wollen, welche Luftbelastung an diesem Standort besteht?
Wenn Messungen ergeben, dass keine Gesundheitsgefährdung vorliegt, dann ist das umso besser. Dann hätten Eltern, Personal und Öffentlichkeit Klarheit.
Wenn Messungen aber auf Gefährdungen hinweisen, kann rechtzeitig reagiert werden. Dann können Maßnahmen getroffen werden, die Kinder und Personal im Innen- und Außenbereich schützen.
Und genau das sollte vor der Inbetriebnahme der Kita geschehen.
Im Ausschuss wurde unser Anliegen abgelehnt. Wir halten die Forderung nach unabhängigen Immissionsmessungen dennoch weiterhin für notwendig und bitten um Zustimmung zu unserem Antrag.
Es geht um Vorsorge, nicht um Panikmache
Die Forderung nach Immissionsmessungen ist keine Panikmache. Sie ist eine Frage der Vorsorge.
Wenn die Messungen ergeben, dass keine Gesundheitsgefährdung vorliegt, wäre das eine gute Nachricht. Dann hätten Eltern, Personal und Öffentlichkeit belastbare Sicherheit.
Wenn die Messungen aber auf bedenkliche Belastungen hinweisen, müssen rechtzeitig geeignete Schutzmaßnahmen für Innen- und Außenbereiche getroffen werden. Genau deshalb sollte diese Frage vor der Eröffnung geklärt werden und nicht erst dann, wenn die Kita bereits in Betrieb ist.
Kinderbetreuung braucht Vertrauen
Kinderbetreuung braucht Vertrauen. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder an einem sicheren Ort betreut werden.
Gerade an einem Standort mit Rechenzentrum, Abluftschornsteinen, Verkehrsbelastung und Außenspielflächen auf Dachflächen dürfen offene Fragen zur Luftqualität nicht einfach beiseitegeschoben werden.
Die Linke Hattersheim bleibt deshalb bei ihrer Forderung:
Erst messen, dann eröffnen.