„WaldWildnis: CDU rechnet sich Verluste zurecht. Die Linke kritisiert fragwürdige Zahlen und eine vorschnelle Ablehnung der KlimaWildnis“ (Pressemitteilung Die Linke Hofheim, 02.11.2026)
Es ist erfreulich, dass sich nun auch die CDU im Ortsbeirat Kernstadt mit der KlimaWildnis beschäftigt. Weniger erfreulich ist, zu welchen Ergebnissen sie dabei kommt. Mit einer höchst fragwürdigen Modellrechnung versucht sie, den dauerhaften Nutzungsverzicht auf Teile des Hofheimer Stadtwaldes als finanzielles Risiko darzustellen. Dabei werden Gewinne unterstellt, die der Hofheimer Forstbetrieb seit Jahren nicht erwirtschaftet.
Die CDU-Rechnung im Faktencheck
Angebliche Gewinne: KI-Auskunft statt belastbarer Zahlen
Die CDU rechnet bei einer angenommenen Fläche von 50 Hektar mit jährlich 4.750 Euro entgangenem Reinertrag aus dem Holzverkauf. Dieser soll zudem jedes Jahr um vier Prozent steigen. Als Quelle für den angenommenen Reinertrag von 95 Euro je Hektar nennt sie ausdrücklich „laut KI“. Eine bemerkenswerte Grundlage für einen Antrag, mit dem eine mögliche Millioneneinnahme für die Stadt verhindert werden soll.
Ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen hätte genügt, um Zweifel an dieser Annahme zu wecken. Der Hofheimer Forstbetrieb schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen. Allein 2025 betrug das Defizit rund 667.000 Euro. Auch für 2027 werden die Einnahmen aus dem Holzverkauf mit lediglich 290.000 Euro veranschlagt. Dem stehen allein für Holzernte und Personal rund 590.000 Euro gegenüber. Zwar lassen sich die Gesamtausgaben des Forstbetriebs nicht vollständig der Holzproduktion zurechnen. Umso wichtiger wäre aber der Nachweis, dass die von der CDU betrachteten Waldflächen tatsächlich den behaupteten Reinertrag erwirtschaften.
Faktencheck Stadtwald Hofheim
🧮 Was die CDU gerechnet hat und wo es hakt
Die CDU rechnet nur mit 50 Hektar Wald. Dafür gäbe es einmalig rund 1 Million € vom Bund. Wir schlagen 500 Hektar vor, das wären 12 bis 15 Millionen. Von ihrer Million zieht die CDU jedes Jahr den angeblich entgangenen Gewinn ab:
🤖 Zahl der CDU, laut KI
Nur so kommt die CDU zu dem Ergebnis, dass die Förderung von 1 Million € bis 2074 rein rechnerisch aufgezehrt wäre.
Einseitige Kalkulation: Kosten angesetzt, Einsparungen ignoriert
Damit nicht genug: Zusätzlich belastet die CDU ihre Rechnung mit jährlich 3.333 Euro Verkehrssicherungskosten. Diese fallen jedoch bereits heute an. Ob und in welcher Höhe durch den Holzverzicht zusätzliche Kosten entstehen, wird überhaupt nicht untersucht. Gleichzeitig bleiben mögliche Einsparungen bei der Holzernte und der Bewirtschaftung unberücksichtigt.
Besonders eigenwillig ist der Umgang mit der Inflation. Während die angenommenen Holzerträge jährlich um vier Prozent und die Verkehrssicherungskosten um drei Prozent steigen sollen, bleibt die Einmalzahlung von einer Million Euro über Jahrzehnte unverzinst. Eine Verwendung zum Schuldenabbau und die damit verbundenen Zinsersparnisse kommen in der Rechnung ebenso wenig vor. So lässt sich die Million bis zum Jahr 2074 rechnerisch aufzehren, lediglich rechnerisch, wohlgemerkt, und weit entfernt von einer realistischen Erwartung. Und selbst die angebliche 30-Jahre-Bilanz umfasst tatsächlich 31 Jahre!
KlimaWildnis: Millionenpotenzial für den städtischen Haushalt
Dabei bietet die KlimaWildnis gerade für das hoch verschuldete Hofheim eine ernsthaft zu prüfende Perspektive. Bei einem Nutzungsverzicht auf rund 500 Hektar Stadtwald könnten nach bisherigen Schätzungen etwa 12 bis 15 Millionen Euro aus dem Bundesförderprogramm fließen. Die tatsächliche Förderfähigkeit und die Höhe der Zahlung müssen anhand der konkreten Flächen ermittelt werden. Die Stadt bliebe Eigentümerin des Waldes.
Hinzu kämen Einsparungen bei den laufenden Bewirtschaftungskosten. Die Linke hält eine jährliche Entlastung von rund 120.000 Euro für möglich. Auf 30 Jahre gerechnet wären das weitere 3,6 Millionen Euro, ohne künftige Kostensteigerungen. Auch diese Schätzung muss anhand der tatsächlichen Ausgaben überprüft werden. Angesichts der bisherigen Defizite wäre es allerdings fahrlässig, dieses Einsparpotenzial nicht ernsthaft zu untersuchen.
Eine solche Einnahme könnte den städtischen Haushalt erheblich entlasten. Sie ersetzt keine dauerhafte Haushaltskonsolidierung, könnte aber zur Schuldentilgung beitragen und damit Zinsausgaben verringern. Geld, das die Stadt nicht aufbringen muss, braucht sie auch nicht über weitere Belastungen der Bürgerinnen und Bürger zu erwirtschaften.
Ökologischer Nutzen bleibt im CDU-Antrag außen vor
Völlig ausgeblendet wird im CDU-Antrag zudem der ökologische Nutzen. Ein Naturwald bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zusätzliche Lebensräume. Er kann zur Sicherung natürlicher Kohlenstoffspeicher beitragen und wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt übernehmen. Auch die Erholungsmöglichkeiten bleiben grundsätzlich erhalten. Die Stadt verzichtet auf die forstwirtschaftliche Nutzung, nicht auf den Wald.
Nachgerechnet
⏳ Wie lange reichen 12 bis 15 Millionen Euro?
Die CDU rechnet mit
50 Hektar → 1 Mio. €
Annahme der CDUWir rechnen mit
500 Hektar → 12 bis 15 Mio. €
Unsere SchätzungDen Gewinn übernehmen wir bewusst von der CDU, auch wenn die Zahl von einer KI stammt. Angenommen, der Wald bringt wirklich 95 € pro Hektar, dann sieht es bei 500 Hektar so aus:
🪓 entgangener Holzgewinn bei 500 Hektar
47.500 €
pro Jahr (500 × 95 €)
🤖 Zahl der CDU, laut KI🏦 Förderung vom Bund
12 bis 15 Mio. €
einmalig
Unsere Schätzung🌳🌳🌳🌳🌳🌳
Die Förderung gleicht den entgangenen Holzgewinn mehr als 60 Jahre lang aus.
Selbst wenn der Holzgewinn, wie die CDU annimmt, jedes Jahr um 4 % steigt.
Unsere Rechnung mit den Zahlen der CDUUnd das kommt noch obendrauf:
💰 Rund 120.000 € pro Jahr weniger Kosten für die Bewirtschaftung. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Holzgewinn, den die CDU annimmt. Unsere Schätzung
🦉 Mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen
🌍 Der Wald speichert Kohlenstoff
💧 Gut für den Wasserhaushalt
🚶 Spazieren und Erholen bleibt möglich, der Wald bleibt Eigentum der Stadt
Förderhöhe und Einsparung sind Schätzungen und müssen anhand der konkreten Flächen geprüft werden. Zinsen sind nicht eingerechnet. Die Verkehrssicherung ist nicht abgezogen, weil diese Kosten schon heute anfallen. Da der Forstbetrieb tatsächlich Verlust macht, wäre der entgangene Gewinn in Wirklichkeit noch kleiner.
Ortsbeirat entscheidet: Prüfauftrag statt pauschaler Ablehnung
Immerhin fand der ursprüngliche CDU-Antrag zur pauschalen Ablehnung der KlimaWildnis im Ortsbeirat keine Mehrheit. Stattdessen wurde ein Prüfantrag beschlossen: Der Magistrat soll untersuchen, welche Waldflächen der Kernstadt für KlimaWildnis oder die Vermarktung von Ökopunkten infrage kommen. Sechs Mitglieder stimmten dafür, die beiden CDU-Vertreter dagegen, die FDP enthielt sich. Damit hat sich der Ortsbeirat für eine Prüfung der Möglichkeiten ausgesprochen, statt sie von vornherein auszuschließen.
Die Linke erwartet nun, dass die Stadtverwaltung die finanziellen und ökologischen Auswirkungen beider Modelle auf der Grundlage belastbarer Zahlen gegenüberstellt. Dabei dürfen nicht allein mögliche Einnahmen zählen, sondern ebenso die langfristigen Bewirtschaftungskosten und die unterschiedlichen Auswirkungen auf den Naturhaushalt.
Angesichts der desaströsen Haushaltslage und der drastisch gestiegenen Grundsteuer B ist es kaum nachvollziehbar, dass die CDU eine mögliche Millioneneinnahme von vornherein ausschließen wollte, ohne die wirtschaftlichen Grundlagen ausreichend geprüft zu haben.