Redebeiträge der Fraktion Die Linke Hofheim zur StVV, 17.08.2026, und Prüfantrag vom 20.08.2026
215 Kinder in Hofheim haben derzeit keinen Betreuungsplatz. Die zugrunde liegende Bedarfsplanung nennt 234 fehlende Plätze – 129 für Kinder unter drei Jahren, 105 für Kinder über drei –, im Sozialausschuss hat der Bürgermeister die aktuellere Zahl von 215 genannt. Hinter jeder dieser Zahlen steht eine Familie, die nicht weiß, wie sie Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren soll.
234 fehlende Plätze, zu wenige neue Gruppen in Planung
Selbst wenn ab morgen genug Personal da wäre, um alle derzeit unbesetzbaren Plätze zu vergeben, blieben laut Vorlage noch 79 fehlende U3- und 23 fehlende Ü3-Plätze übrig – dafür bräuchte es sieben zusätzliche U3-Gruppen und eine zusätzliche Ü3-Gruppe. Die neue Kita an der Hattersheimer Straße mit rund 100 Plätzen ist in Planung, bietet nach aktuellem Stand aber ausschließlich Plätze für Kinder über drei Jahren – für die jüngsten Kinder keine Entlastung. Gleichzeitig hören Tagespflegepersonen auf, wie im Sozialausschuss berichtet wurde, sodass gerade im U3-Bereich zusätzlicher Druck statt Entlastung droht. „Unser heutiges Warten wird zum morgigen fehlenden Kita-Platz“, heißt es dazu im Redebeitrag der Fraktion Die Linke Hofheim.
Wer einen Platz bekommt, zahlt oft 950 Euro im Monat
Bei einem privaten, gewinnorientierten Träger werden für ein einjähriges Kind rund 950 Euro im Monat fällig. Der Effekt zeigt sich in den Zahlen des Paritätischen Hessen: Nur 19 Prozent der ein- bis zweijährigen Kinder aus armutsbetroffenen Familien besuchen eine Kita, bei nicht armutsbetroffenen Familien sind es 41 Prozent. Im Kreisvergleich liegt Hofheim mit 427 Euro im Monat beziehungsweise 57 Euro pro Stunde bei den Kita-Beiträgen fast an der Spitze.
Familien mit Förderbedarf warten oft am längsten
Besonders betroffen sind Alleinerziehende, für die laut Bertelsmann-Stiftung ein deutlich höheres Armutsrisiko besteht, sowie Familien von Kindern mit zusätzlichem Förderbedarf, die laut Vorlage teils über ein Jahr auf einen Diagnostik-Termin warten – während die Kinder längst da sind und Unterstützung brauchen. „Das Kind ist nicht das Problem. Die fehlenden Ressourcen sind das Problem“, so die Fraktion Die Linke Hofheim in ihrem Redebeitrag.
Die Linke fordert: keine höheren Gebühren, sofort mehr Gruppen planen
Die Linke Hofheim fordert, die Kita-Beiträge bis zum Ende des Haushaltssicherungskonzepts 2029 nicht weiter zu erhöhen, Alleinerziehende automatisch in die günstigste Beitragsstaffel einzustufen und vor allem sofort mit der Planung der fehlenden Gruppen zu beginnen, statt zu warten, bis der Mangel noch größer wird – denn eine neue Kita-Gruppe entsteht nicht über Nacht, sie braucht Räume, Personal und Vorlauf. Am 20. August hat die Fraktion zusätzlich einen Prüfantrag gestellt: Der Magistrat soll prüfen, wie die Elternbeiträge einkommensabhängig gestaffelt werden können, orientiert an Modellen aus Kelkheim und Hattersheim.
Quellen: Bedarfsplanung Kindertagesbetreuung der Stadt Hofheim, Sozialausschuss Hofheim, Antrag „Entlastung von Alleinerziehenden in Hofheim“ der Fraktion Die Linke Hofheim vom 24.07.2026 (Bertelsmann-Stiftung: ca. 40 % der Alleinerziehenden armutsgefährdet), Paritätischer Wohlfahrtsverband Hessen, Redebeiträge der Fraktion Die Linke Hofheim zur StVV am 17.08.2026, Prüfantrag vom 20.08.2026.