Tiefrote Zahlen und Klinik-Apotheke dicht – wie weiter mit dem Klinikverbund Frankfurt-Main-Taunus?

Leserbrief

zum Höchster Kreisblatt vom 28.10. „Kliniken rutschen in „tiefrote Zahlen“ und HK zum 29.10. „Nicht an das Patientenwohl gedacht“.

Hiobsbotschaften: Der Klinikverbund Frankfurt-Main-Taunus rutscht 2021 in tiefrote Zahlen, die Apotheke am Klinikum Höchst macht zum 1. November 2021 dicht! Ihre Leistungen wurden an die private Schwanenapotheke in Offenbach vergeben.

Gibt es da Zusammenhänge?

Aufsichtsratsvorsitzender Schmidt, vormals Leiter des Gesundheitswesens bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, konstatiert u.a. ,dass die Krankenhausfinanzierung des Landes verbessert werden müsse.
Dazu lobt er die zukunftsorientierte Aufstellung des Klinikverbundes, die Kooperation und Koordination der Dienstleistungen zwischen den Klinikstandorten und die Synergieeffekte – vom Catering über die Lagerlogistik bis hin zum Einkauf von modernster Medizintechnik. Inzwischen wird auch wieder die Reinigung an allen Standorten durch die Gesundheits- und Dienstleistungsgesellschaft der Kliniken betrieben.
Völlig im Widerspruch zu den gelobten Synergieeffekten steht die Schließung der Krankenhausapotheke in Höchst. In den ersten Plänen zum Klinikneubau war die Apotheke vorgesehen. Kurzfristig hatte der Aufsichtsrat im Juni 2020 das Aus für die Apotheke beschlossen und die Pläne geändert. Besonders für Krebspatient*innen ist die Klinikapotheke wichtig. Ihre Krebsmedikamente werden dort unmittelbar für sie zubereitet. Krebsmittel, jedoch, sind immer noch eine „Cash-Cow“, ein „Goldesel“, wie Fachleute das bezeichnen, weil damit viel Geld verdient werden kann. Ausgerechnet das auszulagern, also die Apotheke zu schließen, das riecht schon merkwürdig oder verwundert zumindest.
Begründung durch die Klinikleitung: Die Krankenhäuser Bad Soden und Hofheim werden ja bereits von einer privaten Apotheke beliefert.
Warum spielen die viel beschworenen Synergieeffekte bei der Apotheke keine Rolle? Warum können nicht alle drei Klinikstandorte von einer Klinikapotheke (später neu gebaut, auf modernstem Stand) versorgt werden? Besonders wenn damit auch Geld verdient werden kann?

Seit Jahren tritt die Vereinigung der Klinikapotheken dafür ein, dass Kliniken eine eigene Apotheke haben, um Arzneimittelsicherheit zu garantieren und den Ärzt*innen beratend bei der Arzneimitteltherapie zur Seite steht. Außer in Höchst gibt es in Deutschland keine Klinik der Maximalversorgung ohne Apotheke!

Meiner Ansicht nach, spricht die Entscheidung des Aufsichtsrates nicht den Notwendigkeiten einer am Patientenwohl orientierten Versorgung, sie geht insbesondere zu Lasten der Krebspatient*innen.

Es ist zu wünschen, dass die neue Koalition in Frankfurt diese Privatisierung rückgängig macht. Leider hat der neue/alte Gesundheitsdezernent Majer (Grüne) bisher vehement die Schließung der Apotheke verteidigt. Und auch die Kreistagskoalition im Main-Taunus (CDU/GRÜNE/FDP) sah im Dezember 2020 keinen Anlass, die Apothekenleistungen der Kliniken Bad Soden und Hofheim auf die Höchster Klinikapotheke zu übertragen um die gebotenen Synergieeffekte zu schaffen.
Ist doch sehr widersprüchlich!

Beate Ullrich-Graf, Abgeordnete
DIE LINKE.Main-Taunus im Kreistag