ÖPNV für Reiche

Der „Colibri“, wie das neue Ersatzangebot für das Hofheimer Anruf-Sammel-Taxi (AST) getauft wurde, wird nicht nur vom Bund aus Steuermitteln extrem hoch subventioniert, er ist auch für den städtischen Haushalt sehr teuer. Aber auch die Fahrgäste müssen einen weitaus höheren Fahrpreis zahlen. Zudem sind die eingesetzten Fahrzeuge nicht barrierefrei, erklärt Bernd Hausmann, LINKE Stadtverordneter in Hofheim.

Der „Colibri“, wie die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft ihr neues On-Demand-Angebot nennt, ist ÖPNV für Reiche. Und zwar für reiche Gebietskörperschaften und reiche Fahrgäste. Es wird hauptsächlich aus Steuergeldern des Bundes extrem hoch subventioniert. ohne dass die Fahrgäste einen finanziellen Nutzen davon haben. Im Gegentgeil, sie müssen viel mehr zahlen als bei dem alten, nunmehr eingestellten Anruf-Sammel-Taxi (AST). Und zudem: Es ist ein Unding, dass heutzutage ein ganz neues, „innovatives“ offentliches Verkehrsmittel eingeführt wird, das alles andere als barrierefrei ist.

Als Gesamtkosten dieses Modellprojektes werden 4.353.000 Euro genannt. Während dessen Laufzeit bis Ende 2024 wird mit 67.000 Fahrten kalkuliert. Damit kostet jede Fahrt im Schnitt 65 Euro. Die durchschnittliche Fahrtlänge beim AST beträgt 8,1 km und würde – mit dem regulären Taxi zurückgelegt –  18,20 Euro kosten. Eine Fahrt mit diesem „Colibri“ ist also vier Mal so teuer wie eine normale Taxi-Fahrt.

Die von der Stadt Hofheim aufzubringenden Haushaltsmittel betragen 400.000 Euro pro Jahr. Der Magistrat rechnet – bei weiterhin 24.800 Fahrgästen pro Jahr wie beim AST – mit einem städtischen Zuschuss in Höhe von durchschnittlich 19,19 Euro (brutto) pro Fahrgast. Das ist ein Euro mehr als eine entsprechend lange Taxi-Fahrt in Hofheim kostet. Würde die Stadt jedem „Colibri“-Nutzer stattdessen kostenlos ein Taxi spendieren, dann würde die Stadt sogar Geld sparen!

Doch diese extrem hohen Subventionen dieses neuen Verkehrsmittels kommen nicht etwa den Fahrgästen zu Gute. Im Gegenteil: Für die wird es deutlich teurer als bisher. Eine Beispielrechnung: Ein Elternpaar mit 2 Grundschul-Kindern wohnt in Langenhain und will am Sonntag die Oma im Hofheimer Krankenhaus besuchen. Mit dem ÖPNV. Sonntags fährt der Stadtbus nicht. Das alte AST kostete, wenn beide Eltern RMV-Zeitkarten haben, für diese Familie hin und zurück 5,20 Euro, haben sie keine Zeitkarten, 14,00 Euro. Nunmehr, mit dem „Colibri“, kostet es mit Zeitkarten 16,00 Euro (also das Dreifache), ohne Zeitkarten gar 24,80 Euro (fast das Doppelte). Da nimmt unsere Familie halt doch lieber das Auto: Das kostet 4,20 Euro (nach ADAC-Tabelle, für Hin und Zurück 14 km à 0,30 Euro mit einem Kleinwagen bei Vollkostenrechnung).

Mit dem „Colibri“ wird nicht nur Steuergeld versenkt, sondern werden auch die Fahrgäste abgezockt.