Mobilität für Alle statt Rendite für Wenige

Am 16. Dezember 2025 hatte Die Linke Main-Taunus im Kreistag ins Begegnungshaus Eddersheim geladen, um unter dem Titel „Flüge auf die Züge“ zu Fluglärm und Klimabelastung und Alternativen zu diskutieren. Die rund 30 Teilnehmendem erlebten einen spannenden und inhaltsreichen Vortrag von Klaus Zecher, stellvertretender Landesvorsitzender von Pro Bahn Hessen, und beteiligten sich rege mit Zwischenfragen und Diskussionsbeiträgen.

Eröffnet und moderiert wurde die Veranstaltung vom Sprecher der Linken im Kreistag Thomas Völker. Er verwies eingangs auf den Veranstaltungskontext: Im Frühsommer war bekannt geworden, dass FRAPORT beabsichtigt zukünftig die Flugbewegungen über den Main-Taunus-Kreis deutlich auszuweiten. Auf Initiative der Linken kam es in der Folge zu einem gemeinsamen Antrag aller demokratischen Fraktionen im Kreistag, der sich gegen diese Entwicklung aussprach und eine Klage-Unterstützung für die besonders stark betroffenen Kommunen vorsah. Laut Völker greife es aber zu kurz, wenn am Ende die Lasten des Flughafens vielleicht aus dem Main-Taunus-Kreis herausgehalten würden, dies aber dann zulasten anderer Kommunen ginge. Vielmehr müsse es nach der Auffassung der Linken um eine Reduzierung des Flugverkehrs gehen, um Umwelt-, Klima- und Umlandschäden im Zaum zu halten. Insbesondere Kurzstreckenflüge, die rund ein Drittel aller Flugbewegungen des Frankfurter Flughafens ausmachten, müssten perspektivisch auf andere Verkehrsträger, insbesondere die Bahn, verlagert werden.

Hieran knüpfte Klaus Zecher in seinem Vortrag direkt an. Zunächst stellte er umfassend die aktuelle Subventionspolitik des Flugverkehrs dar. Rechne man direkte staatliche Zuschüsse für Flughäfen, Steuervergünstigungen, Bau-, Umwelt- und Folgekosten zusammen, werde der deutsche Flugverkehr jährlich mit 10 bis 12 Milliarden Euro subventioniert. Besonders erstaunt waren viele Zuhörende, dass nicht nur der Flugverkehr allgemein, sondern zusätzlich einzelne Strecken gefördert werden, etwa die Verbindung von Frankfurt nach Erfurt trotz der parallel bestehenden Zugschnellstrecke. Hier zeige sich, so der allgemeine Tenor, dass wirtschaftliche Einzelinteressen offensichtlich auf Kosten des Allgemeinwohls gingen.

Im zweiten Teil seines Vortrags zeigte der Bahnexperte Zecher dann die seit Jahrzehnten zunehmende Verschlechterung des Bahnverkehrs und Ursachen dafür auf. Seit der Umwandlung der Bahn vom Staatsunternehmen in eine Aktiengesellschaft sei nichts – wie ursprünglich versprochen – schlanker und effizienter geworden, vielmehr habe sich der Zuschussbedarf und die parallele Verschuldung der Bahn immer weiter gesteigert. Um einen Börsengang vorzubereiten, habe man die Bahn weg vom Kerngeschäft hin zu internationalen Beteiligungen gedrängt. Auch habe man massiv Personal abgebaut, gerade im Bereich Instandhaltung und Streckensanierung, so dass die Bahn heute viele Leistungen fremdvergeben müsse. Dies freue zwar private Baukonzerne, sei aber zentral für die Kostenexplosion und erkläre, warum selbst kleine Störungen oft nicht zeitnah behoben werden können. Hinzukämen teure Prestigeprojekte, die auf Kosten des allgemeinen Nah- und Fernverkehrs gingen.

Zecher betonte, dass der Abbau der vergangenen 30 Jahre politischen Maximen folgte und deshalb eine Verbesserung der Situation der Bahn auch nur mit einer anderen Politik gelingen könne. Er mahnte an, dass eine DB AG nun mal schon vom Gesetz her, die schlechteste Rechtsform sei, um nachhaltige und langfristige Ziele anzusteuern. Es bräuchte politische Mehrheiten, die sich Prinzip Mobilität für Alle statt Rendite für Wenige bekennen würden. Dies gelte bundesweit, aber auch in der Kommunalpolitik. Denn auch beispielsweise der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) habe einen Aufsichtsrat, der für die Richtungsentscheidungen verantwortlich sei, und von der lokalen Politik besetzt werde. Dort würden teure Fehlschläge wie die Wasserstoffzüge im Taunus abgenickt statt den Bestand in Qualität und Quantität zu sichern und den Nahverkehr zu stabilisieren. Zecher rief deshalb abschließend dazu auf das Thema Mobilitätswende in all seinen Dimensionen aus dem Schatten zu holen und gerade zur Kommunalwahl am 15. März 2026 zu einem Schwerpunktthema zu machen und Kandidierende mit Fragen hierzu zu löchern.