Der Hofheimer Wald kann dem Haushalt helfen

Die Bundesregierung will im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) 2% der Landfläche dauerhaft aus der Nutzung nehmen – entstanden aus der Einsicht, dass weitaus ärmere Länder im globalen Süden dies leisten, um dem Klimawandel und dem Artensterben etwas entgegenzusetzen.

Dafür gibt es einen Fördertopf. Dieser richtet sich nach dem Wert des Waldes, den eine Begutachtung festlegt. Wald wird in Deutschland zwischen 1,50 € und 5 € taxiert und richtet sich nach Lage, Bodenbeschaffenheit und Baumbestand. In Hofheim, mitten im Rhein-Main Gebiet gelegen, kann man sehr konservativ gerechnet von 2,50 € pro Quadratmeter ausgehen. Wahrscheinlich eher etwas mehr. Würden sich die Stadtverordneten zu diesem Schritt entschließen, könnten beispielsweise 500 Hektar Naturwald der Stadt mind. 12,5 Mio. € einbringen.

Hofheim ist pleite, egal welche Maßnahmen ergriffen werden, um den Haushalt aufzubessern – es wird schmerzhaft. Ob Senioren, Jugend-, Kinder-, Vereins- und Kulturförderung, der Verkauf von städtischen Liegenschaften, seltener Reparaturen an der Asphaltdecke der Straßen oder der Anstieg der Grundsteuer, wodurch sich auch die Mietkosten erhöhen – es wird uns am Ende alle heftig treffen.

Nähme man nun für Fördergelder Teile des Hofheimer Waldes aus der Nutzung, wird sich für Waldbesucher nichts ändern. Im Gegenteil! Keine Bäume würden mehr gefällt, das Kronendach könnte sich wieder schließen, die Wege würden nicht mehr kaputtgefahren, die Waldböden blieben intakt. Der Naturwald wäre besser gegen Austrocknung geschützt, dem Klimawandel würde etwas entgegengesetzt.

Eine win-win Situation. Für die Bevölkerung wäre der Wald noch attraktiver – nicht umsonst zieht es tausende Touristen in Nationalparks, um die Schönheit der Natur zu erleben. Und die Stadt Hofheim kann gleichzeitig ihre angespannte Finanzlage aufbessern.

Hofheim sollte auch den von Stadtrat Philipp eingebrachten Vorschlag umsetzen und seine Ökopunkte verkaufen. Da Ökopunkte jedoch gebraucht werden, wenn eine Flächenversiegelung geplant ist, macht es Sinn, an anderer Stelle weitere Ökopunkte zu generieren. Allerdings sollte man wissen: Ökopunkte bedeuten nichts anderes, als dass für den in Hofheim geschützten Wald anderswo Natur zerstört wird. Für die Natur ist dies kein wirklicher Gewinn. Für die schlechte aktuelle Haushaltslage schon.

Mehr zu den Hintergründen auch bei Hofheim-News.

Zum Titelbild: In Naturwäldern können Wälder mit geschlossenem Kronendach wiederhergestellt werden, wie hier im Naturwaldreservat „Waldgebiet östlich Oppershofen“. Nach 32 Jahren Verzicht auf Holzernte ist der 140- bis 160-jährige Wald besser gegen Austrocknung geschützt als der aufgelichtete Wirtschaftswald (rechts des Weges) mit deutlichen Trockenschäden.  Bild: NABU/H.-J. Herr